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Aktuelles: Fünfte Fachtagung Fischartenschutz & Gewässerökologie in Jena
Vom 29. Februar bis zum 1. März 2008 fand in Jena die 5. Fachtagung „Fischartenschutz & Gewässerökologie“ statt. Veranstalter waren in bewährter Weise die Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e. V. und der Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e. V. Insgesamt nahmen ca. 70 Interessierte an der Fachtagung teil. Nach der Begrüßung durch den Leiter der Arbeitsgruppe, Dr. Martin Görner folgte das Grußwort des Thüringer Ministers für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar. Der Minister sprach sich für die Betrachtung des gesamten aquatischen Ökosystems aus und stellte dies anhand der Gefahr der Ausrottung der Äschen durch Kormorane dar. Auf der Fachtagung wurden 14 Vorträge aus verschiedenen Gebieten der Gewässerökologie gehalten sowie ein Videobeitrag präsentiert. Die Vorträge sollen nachfolgend kurz dargestellt werden. Dr. Jörg Freyhof vom IGB stellte den aktuellen Stand der Neuerfassung der Rote-Liste-Fischarten in Deutschland vor, welche sich in der Endphase der Erarbeitung befindet. Nach abschließender Erfassung der Rote-Liste-Fischarten von vier Bundesländern erfolgt die letztendliche Novellierung der Liste. Grundlage für die Erstellung sind neue Einstufungskriterien vom Bundesamt für Naturschutz aus dem Jahre 2006. In Deutschland sind 89 Fisch- und Neunaugenarten gelistet, von denen aktuell 76 Arten nachgewiesen sind. Darunter befinden sich auch 14 Neobiota, also Fische, die nicht zur heimischen Fischfauna gehören. Änderungen in der Liste sind seiner Meinung nach zwingend. So werden beispielsweise der Aal und auch die Äsche einen höheren Gefährdungsstatus zugewiesen bekommen. Dr. Stefan Sieg vom Sächsischen Fischereiverband machte in seinem Vortrag: „Fischartenschutz und Fischartenförderung“ Handlungsrichtlinien für Anglerverbände transparent. Ergebnisse eines Wanderfischprogramms in NRW stellte Dr. Detlev Ingenthal vor. Bereits 1988 begann in den Rheinzuflüssen der Besatz mit Lachsen als DEM Aushängeschild des Fischartenschutzes. Dort, wo der Lachs wieder aufsteigt und sich natürlich reproduziert, ist die Mindestdurchgängigkeit der Flüsse gewährleistet und eine gute Beschaffenheit des Gewässergrundes gegeben. Mittlerweile sind auch Wiederansiedlungsmaßnahmen für Maifisch, Nordseeschnäpel und Aal in Angriff genommen. Die Bedeutung von Umgehungsgerinnen wurde von Carsten Schlegel anhand des Beispiels zweier Wehre am oberen Main analysiert. Der Main, ehemals der fischreichste Rheinzubringer, ist heute das Paradebeispiel eines zur Pissrinne verkommenen Fließgewässers und durch Ketten von Wasserkraftwerken in seiner Längsdurchgängigkeit und auch in seiner seitlichen Anbindung vollständig zerstört. Thomas Speierl referierte über den Status und die Gefährdung des Hechts im oberen Main (4000 km2, 90 % Steinschüttungen, keine Längsdurchlässigkeit). Diese Gefährdung des Hechtes (eigentlich eine Fischart, die keines Schutzes bedarf) ist ein Beleg für den katastrophalen Zustand dieses ehemaligen Fließgewässers. Dr. Falko Wagner vom Institut für Gewässerökologie und Fischereibiologie Jena zeigte auf, wie räumliche Aspekte der Gewässerstruktur auf den ökologischen Zustand von Fließgewässern wirken. Die Toxizität von Kaliabwässern gegen frühe Lebensstadien von Fischen wurde von Dr. Thomas Meinelt vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei präsentiert. Tests mit Embryonen und Larven zeigten, dass Kaliabwässer bereits bei einem Salzgehalt von 2 ‰ hochtoxisch sind und schwerste irreversible Schädigungen und Deformationen bei der Fischbrut hervorrufen. Auf Grund dessen ist ein Aufkommen von sensiblen Fischarten wie z. B. Forellen, Äschen, Elritzen und Barben in den salzbelasteten Flussabschnitten sehr unwahrscheinlich. Hintergrund der Untersuchungen ist die geplante erweiterte Ausschöpfung der genehmigten Salzeinleitung von 2500 mg/l Chlorid in die Werra auch bei Hochwasser und damit die Schädigung von Fischlaichgebieten im Fulda-Werra-Weser-Flusssystem. Chlorid ist nach Thomas Meinelt nicht die Hauptursache der Fischtoxizität der Kaliabwässer. Kationen wie Kalium, aber auch physiologisch stark gestörte Ionenverhältnisse wie das Verhältnis zum Kalzium zu Magnesium sind für die toxischen Effekte bei der Fischbrut verantwortlich. Roland Müller nahm die Anwesenden auf eine virtuelle Fischexkursion nach Thüringen mit. Sein Vortrag war an den Appell gekoppelt, mehr Feldforschung durchzuführen. Dieserart Forschung erbrachte z. B. im Jahr 2007 die Entdeckung der Fischarten Nase und Zährte in der Hirsel (Thüringen). Seit 1911 wurden in Deutschland 1.000 Funde der Süßwasserqualle (Craspedacusta sowerbii) verzeichnet. Lutz Tappendeck berichtete über deren Ökologie (siehe auch: www.halophila.de). Gefährdete Fischarten in Teichen als ein Reservoir für freie Gewässer war Thema des Vortrages von Dr. Wolfgang Völkl. Seiner Meinung nach existieren ökologische Ähnlichkeiten von Teichen zu Flachwasserzonen von Seen und Altwässern. Gleichwohl kann dies kein Freibrief sein, um Fische aus Teichen bedenkenlos in natürliche Gewässer umzusetzen. Das Ablassen von Kleinfischen aus den Teichen ist eine weitverbreitete, wenngleich nicht zulässige Praxis und fördert die Weiterverbreitung von Neozoen, wie z. B. dem Blaubandbärbling. Dr. Arno Waterstraat von der GNL berichtete über die Überwachung von Fischbeständen in Fließgewässern Mecklenburg-Vorpommerns im Kontext von Wasserrahmen- und FFH-Richtlinie. Herr Waterstraat führte insbesondere Untersuchungen für Neunaugen und Westgroppen sowie das künftige Vorgehen beim Monitoring der anderen FFH-Fischarten auf. Sandra Röck stellte die Ergebnisse von Durchgängigkeitsprüfungen von Hochwasserrückhaltebecken vor. Vier von sechs untersuchten Tunneln die diese Hochwasserrückhaltebecken entwässern waren für Fische passierbar, zwei jedoch nur eingeschränkt. Fehlendes Licht und ungenügende Strukturen erschweren den wanderwilligen Fischen die Orientierung. Dr. Andreas Mellin stellte Aspekte der WRRL und die Angelpraxis am Beispiel der Eifel-Rur in NRW vor. Die Fischentnahme in diesem Gewässer betrug durchschnittlich 28 kg/ha. Zum Abschluss stellte Wolfgang Schmalz am Beispiel der thüringischen Ulster den Kormoraneinfluss vor (siehe Vortrag Kormorankonferenz Bonn). Der Abend des ersten Vortragstages endete mit der Präsentation des Filmes „Deutschlands schönste Flüsse und Seen“ und zahlreichen Fachdiskussionen. Die Fünfte Fachtagung Fischartenschutz und Gewässerökologie in Jena war wieder einmal eine gelungene Veranstaltung, deren Ruf sich im Lande zunehmend weiter verbreitet. Steigende Zuhörerzahlen sind hierfür ein beredter Beleg.
Vlnr: Dr. M. Görner, Minister Dr. V. Sklenar, R. Karol